Vorgehen

Kündigungstermin und Mietzinssenkung – bis wann dein Begehren eintreffen muss

8 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: Redaktion Mietzinssenker.chQuellen

Kurz gesagt: Die Mietzinssenkung wirkt auf den nächstmöglichen Kündigungstermin (Art. 270a Abs. 1 OR). Dein schriftliches Begehren muss vor Beginn der Kündigungsfrist beim Vermieter eintreffen – bei einem Termin am 31. März und drei Monaten Frist also spätestens am 31. Dezember. Massgebend ist der Zugang, nicht das Versanddatum. Plane deshalb einen Puffer von rund zwei Wochen ein.

Den Stichtag in drei Schritten berechnen

  1. Kündigungstermin bestimmen. Zuerst gilt der im Mietvertrag vereinbarte Termin. Fehlt er, gilt der ortsübliche Termin. Gibt es keinen Ortsgebrauch, kann auf Ende einer dreimonatigen Mietdauer gekündigt werden (Art. 266c OR).
  2. Kündigungsfrist bestimmen. Bei Wohnungen beträgt sie mindestens drei Monate (Art. 266c OR). Der Vertrag kann eine längere Frist vorsehen, etwa vier Monate – dann gilt die längere.
  3. Zurückrechnen. Das Begehren muss spätestens am letzten Tag vor Beginn der Kündigungsfrist beim Vermieter eintreffen. So beschreiben es der Mieterinnen- und Mieterverband und die Mobiliar.

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KündigungsterminKündigungsfristMuss spätestens eintreffen amEmpfohlener Versand bis ca.
31.03.20273 MonateDo 31.12.2026Mi 16.12.2026 (Feiertage!)
31.03.20274 Monate (vertraglich)Mo 30.11.2026Mo 16.11.2026
30.06.20273 MonateMi 31.03.2027Mi 17.03.2027
30.09.20273 MonateMi 30.06.2027Mi 16.06.2027
Beispiele für Wohnungen – massgebend sind immer dein Vertrag bzw. die örtliche Übung. «Empfohlener Versand» ist eine eigene Planungshilfe, keine gesetzliche Frist.

Der Vermieter hat zehn Tage mehr Vorlauf – du nicht

Für eine Mietzinserhöhung schreibt Art. 269d Abs. 1 OR vor, dass sie mindestens zehn Tage vor Beginn der Kündigungsfrist mitgeteilt wird. Für dein Herabsetzungsbegehren kennt das Gesetz keinen solchen Zusatzpuffer – der Mieterverband verlangt lediglich, dass es vor Beginn der Kündigungsfrist eintrifft. Den Puffer für den Postweg musst du selbst einplanen.

Zugang statt Poststempel

Anders als bei Eingaben an ein Gericht zählt beim Brief an den Vermieter nicht, wann du ihn der Post übergibst, sondern wann er in seinen Machtbereich gelangt. Für die Kündigung hat das Bundesgericht die «uneingeschränkte Empfangstheorie» bestätigt (BGE 137 III 208). Bei einem Einschreiben heisst das laut Mieterverband: Es gilt als zugestellt, wenn der Pöstler es übergibt oder – nach einem erfolglosen Zustellversuch – sobald es gemäss Abholungseinladung am Schalter abgeholt werden kann, in der Regel am Tag danach.

Keine Zustellfiktion einplanen

Die bekannte «7-Tage-Regel» für nicht abgeholte Sendungen stammt aus dem Prozessrecht (Art. 138 Abs. 3 ZPO) und betrifft Zustellungen von Gerichten in hängigen Verfahren. Verlass dich bei deinem Herabsetzungsbegehren nicht darauf. Für das Herabsetzungsbegehren selbst haben wir keinen Leitentscheid gefunden, der die Zugangsfrage ausdrücklich regelt. Die zitierte Zustellpraxis betrifft eine Kündigung. Rechne für dein Herabsetzungsbegehren deshalb nicht mit einem bestimmten Fiktionsdatum, sondern mache den tatsächlichen Zugang beweisbar und plane ausreichend Zeit ein.

Genug Puffer für den Versand planen

  • Rund zwei Wochen vor dem Stichtag versenden. Das deckt einen erfolglosen Zustellversuch, Abholzeit am Schalter und Wochenenden ab. Diese Faustregel ist unsere Empfehlung, keine Vorschrift.
  • Feiertage und Betriebsferien einrechnen. Um Weihnachten, Ostern und im Sommer sind Verwaltungen oft geschlossen, und Einschreiben bleiben länger liegen.
  • Einschreiben für den Nachweis. Die Sendungsverfolgung zeigt Übergabe oder Abholungseinladung. Bewahre Einlieferungsbeleg und Ausdruck der Sendungsverfolgung auf.
  • Wird es knapp: Übergib das Begehren persönlich gegen unterschriebene Empfangsbestätigung – oder schicke zusätzlich zum Einschreiben eine Kopie mit einer Versandart, deren Einwurf in den Briefkasten elektronisch dokumentiert wird.
  • Richtige Adresse und alle Unterschriften. Sende an die im Vertrag genannte Vermieterschaft bzw. deren Verwaltung. Der Mieterverband empfiehlt, dass alle im Vertrag aufgeführten Mietparteien unterschreiben.

Ortsübliche Kündigungstermine

Viele Verträge nennen die Termine ausdrücklich. Das Merkblatt des Mieterverbands nennt als häufige Varianten «per Ende März und per Ende September», «per Ende März, Ende Juni und Ende September» oder «auf jedes Monatsende ausser auf Ende Dezember». Welche Termine ortsüblich sind, unterscheidet sich je nach Kanton und teilweise nach Gemeinde. Eine verlässliche Liste für die ganze Schweiz gibt es nicht. Auskunft geben die Schlichtungsbehörde am Ort der Wohnung und die Mieterverbände.

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SituationMassgebender TerminWas du tun solltest
Termin im Vertrag genanntVertraglicher TerminVertrag lesen, auch Anhänge und «erstmals kündbar auf …»
Kein Termin im VertragOrtsüblicher TerminBei der Schlichtungsbehörde oder beim Mieterverband nachfragen
Kein OrtsgebrauchEnde einer dreimonatigen MietdauerAb Mietbeginn in Dreimonatsschritten rechnen
Befristeter Vertrag, Index- oder StaffelmieteSonderregelnSiehe Spezialfälle
Welcher Termin gilt? (Art. 266a und 266c OR)

Stichtag verpasst?

Kommt das Begehren zu spät für den gewünschten Termin, erreichst du diesen Termin nicht mehr. Das Gesetz sagt nicht ausdrücklich, ob ein verspätetes Begehren automatisch auf den folgenden Termin wirkt. Formuliere deshalb wie der Musterbrief des Mieterverbands: Senkung «auf den nächsten Kündigungstermin» bzw. «auf den nächstmöglichen Kündigungstermin». Dann ist klar, was gemeint ist, falls das Datum nicht reicht. Im Zweifel stellst du rechtzeitig vor dem folgenden Stichtag ein neues Begehren. Die Monate dazwischen gehen verloren, weil die Senkung nicht rückwirkend wirkt.

Timing und Referenzzinssatz

Das BWO publiziert den Referenzzinssatz am ersten Arbeitstag der Monate März, Juni, September und Dezember; er gilt ab dem Tag danach (BWO-Merkblatt). Hast du bereits einen Anspruch, musst du keine Publikation abwarten – der nächste erreichbare Termin ist entscheidend. Sinkt der Satz später weiter, kannst du auf einen späteren Termin ein neues Begehren stellen. Den aktuellen Stand findest du auf der BWO-Seite.

Nach dem Versand: zwei 30-Tage-Fristen

Ab Empfang deines Begehrens hat der Vermieter 30 Tage Zeit zur Stellungnahme. Lehnt er ab oder gewährt er nur einen Teil, kannst du innert 30 Tagen ab Empfang dieser Antwort die Schlichtungsbehörde anrufen; schweigt er, beginnt deine Frist mit Ablauf seiner 30 Tage (Art. 270a Abs. 2 OR). Eine Erinnerung verlängert nichts. Alle Varianten mit Beispieldaten erklärt der Beitrag Mietzinssenkung abgelehnt.

  1. 1

    Termin und Frist aus dem Vertrag lesen

    Notiere Kündigungstermine und Kündigungsfrist. Fehlt der Termin, kläre den ortsüblichen Termin ab.

  2. 2

    Stichtag berechnen

    Nächster Termin minus Kündigungsfrist: Der Tag davor ist der letzte Tag, an dem das Begehren eintreffen muss.

  3. 3

    Versanddatum mit Puffer festlegen

    Rund zwei Wochen vor dem Stichtag, bei Feiertagen früher.

  4. 4

    Allgemein formulieren

    Senkung «auf den nächstmöglichen Kündigungstermin» verlangen und das Wunschdatum nennen.

  5. 5

    Zugang beweisbar machen

    Einschreiben oder persönliche Übergabe gegen Quittung. Belege und Sendungsverfolgung aufbewahren.

  6. 6

    Folgefristen eintragen

    Bei Ablehnung oder Teilzustimmung: 30 Tage ab Empfang der fristgerechten Antwort. Bei Schweigen: 30 Tage ab Ablauf der 30-tägigen Vermieterfrist. Zugang dokumentieren; keine pauschale Versandfrist.

Ab wann gilt meine Mietzinssenkung?

Ab dem nächstmöglichen Kündigungstermin, für den dein Begehren rechtzeitig vor Beginn der Kündigungsfrist eingetroffen ist. Rückwirkend gibt es keine Senkung.

Zählt der Poststempel oder der Eingang beim Vermieter?

Der Eingang. Das Begehren muss vor Beginn der Kündigungsfrist beim Vermieter eintreffen. Bei einem Einschreiben gilt es als zugegangen, wenn es übergeben wird oder gemäss Abholungseinladung abgeholt werden kann.

Gilt die 7-Tage-Abholfrist als Zustellung?

Darauf solltest du dich nicht verlassen. Die 7-Tage-Fiktion stammt aus dem Prozessrecht (Art. 138 ZPO) und betrifft Zustellungen von Gerichten. Für Kündigungen gilt nach BGE 137 III 208 die uneingeschränkte Empfangstheorie. Plane nach diesem strengen Massstab.

Welche Kündigungstermine gelten für meine Wohnung?

Zuerst die im Vertrag vereinbarten. Fehlen sie, gelten die ortsüblichen Termine; ohne Ortsgebrauch das Ende einer dreimonatigen Mietdauer (Art. 266c OR).

Wie viel Vorlauf sollte ich einplanen?

Wir empfehlen rund zwei Wochen vor dem Stichtag, rund um Feiertage mehr. Das ist eine Planungshilfe; gesetzlich zählt nur, dass das Begehren rechtzeitig eintrifft.

Was passiert, wenn ich den Termin verpasse?

Dann wirkt die Senkung frühestens auf einen späteren Termin. Formuliere «auf den nächstmöglichen Kündigungstermin» oder stelle rechtzeitig ein neues Begehren. Bei zwei Terminen pro Jahr kann das sechs Monate Ersparnis kosten.

Lohnt sich das Begehren? Zuerst rechnen

Der Mietzinsrechner zeigt den Brutto-Senkungsanspruch aus dem Referenzzinssatz – als Grundlage, bevor du den Versand planst.

Zum Mietzinsrechner

Kostenloser Brutto-Rechner; keine individuelle Rechtsprüfung.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Massgebend sind die offiziellen Publikationen des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) sowie das geltende Mietrecht (OR/VMWG).