Berechnung

Teuerung, Kostensteigerungen und Mietzinssenkung – so rechnest du den Saldo

9 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: Redaktion Mietzinssenker.chQuellen

Kurz gesagt: Sinkt der Referenzzinssatz, darf der Vermieter die Einsparung mit inzwischen eingetretenen Kostensteigerungen verrechnen (Art. 13 Abs. 1 VMWG). Dazu gehören die Teuerung (höchstens 40 % der Steigerung des Landesindexes der Konsumentenpreise, Art. 16 VMWG) und tatsächlich gestiegene Kosten wie Unterhalt, Gebühren oder Versicherungsprämien (Art. 12 VMWG). Einen landesweit automatisch geltenden Prozentsatz für allgemeine Kostensteigerungen gibt es nicht. Entscheidend ist der vollständige Saldo seit der letzten Mietzinsfestsetzung.

Die Saldo-Formel

Beim Senkungsbegehren gilt die relative Methode: Verglichen wird der Stand bei der letzten Festsetzung mit dem Stand heute. Alle Faktoren werden in Prozent der bisherigen Nettomiete ausgedrückt:

Netto-Anspruch = Senkung aus dem Referenzzinssatz − Teuerungsausgleich − belegte Kostensteigerungen − weitere zulässige Gegenpositionen
  • Senkung aus dem Referenzzinssatz: 2,91 % für einen Schritt von 0,25 Prozentpunkten, 5,66 % für zwei, 8,26 % für drei, 10,71 % für vier Schritte – wie im Mietzinsrechner. Die Basis ist der Satz deiner letzten Festsetzung (Referenzzinssatz im Mietvertrag).
  • Teuerungsausgleich: höchstens 40 % der LIK-Steigerung seit dem LIK-Stand der letzten Festsetzung.
  • Kostensteigerungen: tatsächlich gestiegene Unterhalts- und Betriebskosten seit dem Kostenstand der letzten Festsetzung.
  • Weitere Gegenpositionen: etwa noch nicht überwälzte wertvermehrende Investitionen (Art. 14 VMWG) oder ein gültiger Mietzinsvorbehalt.

Für diese vereinfachten Beispiele addieren wir die Prozentsätze und wenden sie auf die bisherige Nettomiete an. Die konkrete mietrechtliche Berechnung kann je nach Ausgangslage und Rundung abweichen.

Teuerung: 40 % der LIK-Steigerung

Zum Ausgleich der Teuerung auf dem risikotragenden Kapital im Sinne von Artikel 269a Buchstabe e OR darf der Mietzins um höchstens 40 Prozent der Steigerung des Landesindexes der Konsumentenpreise erhöht werden.
Art. 16 VMWG
  1. LIK-Stand der letzten Festsetzung aus dem Vertrag oder dem letzten Formular ablesen (Indexpunkte und Indexbasis, z. B. «Dezember 2020 = 100»).
  2. Aktuellen LIK-Stand beim Bundesamt für Statistik nachschlagen – auf derselben Indexbasis. Stehen die Werte auf verschiedenen Basen, müssen sie zuerst umgerechnet werden.
  3. Steigerung berechnen: (LIK neu − LIK alt) ÷ LIK alt × 100.
  4. 40 % davon nehmen: Das ist der höchstzulässige Teuerungsausgleich in Prozent der Nettomiete.

Beispiel mit angenommenen Werten: LIK alt 104,0 Punkte, LIK neu 107,12 Punkte. Steigerung = 3,12 ÷ 104,0 = 3,0 %. Teuerungsausgleich = 40 % × 3,0 % = 1,2 %. Ist der LIK seit der letzten Festsetzung gesunken, gibt es keinen Teuerungsausgleich zugunsten des Vermieters.

Allgemeine Kostensteigerungen: nur tatsächliche, keine Automatik

Als Kostensteigerungen gelten nach Art. 12 Abs. 1 VMWG insbesondere Erhöhungen von Hypothekarzinsen, Gebühren, Objektsteuern, Baurechtszinsen, Versicherungsprämien und Unterhaltskosten. Kosten aus einer Handänderung – also einem Verkauf der Liegenschaft – zählen nicht dazu (Art. 12 Abs. 2 VMWG). Was du bereits separat als Nebenkosten bezahlst, kann nicht ein zweites Mal über den Nettomietzins verrechnet werden.

In der Praxis rechnen viele Vermieter mit einer jährlichen Pauschale. Diese ist aber keine landesweite Regel. Der Mieterinnen- und Mieterverband beschreibt deutliche regionale Unterschiede:

Region / PraxisUmgang mit Pauschalen
Viele Kantoneoft 0,5 % pro Jahr
Teilweise0,25 % pro Jahr
St. Gallen, Appenzell AusserrhodenBerechnung mit 10 % der Teuerung
Basel-Stadt, Basel-LandschaftMieter müssen Pauschalen nicht akzeptieren
Zürichmehr als 0,5 % pro Jahr gilt als übersetzt
Regionale Praxis zu Pauschalen für allgemeine Kostensteigerungen gemäss Mieterverband (Stand der Quelle; kann sich ändern, verbindlich ist der Entscheid im Einzelfall)

Die Mobiliar nennt eine Bandbreite von 0,25 bis 1 % pro Jahr, die viele Schlichtungsbehörden und Gerichte zulassen. Für dich heisst das: Eine Pauschale ist ein Verhandlungswert, kein Anspruch. Wer aus einer Kostensteigerung Rechte ableitet, muss sie beweisen (Art. 8 ZGB). Du darfst verlangen, dass der Vermieter die tatsächliche Entwicklung zeigt – etwa Unterhalts- und Betriebskosten mehrerer Jahre im Vergleich zum Kostenstand der letzten Festsetzung. Bei einer Mietzinserhöhung kannst du im Schlichtungsverfahren ausdrücklich die Belege für alle Erhöhungsgründe verlangen (Art. 20 Abs. 2 VMWG).

Rechenbeispiel A: Miete vor rund zwei Jahren festgesetzt

Nettomiete CHF 2’000, festgesetzt auf Basis 1,75 %; aktueller Satz 1,25 % (zwei Schritte). Angenommen: LIK +3,0 % seit der Festsetzung, belegte Kostensteigerung 1,0 %.

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PositionProzentBetrag
Senkung Referenzzinssatz (2 Schritte)− 5,66 %− CHF 113.20
Teuerungsausgleich (40 % von 3,0 %)+ 1,20 %+ CHF 24.00
Belegte Kostensteigerung+ 1,00 %+ CHF 20.00
Saldo− 3,46 %− CHF 69.20
Saldo Beispiel A (angenommene Werte, Beträge pro Monat)

Der Mietzinsrechner zeigt für diesen Fall brutto CHF 113 Senkung. Nach Verrechnung bleiben rund CHF 69 pro Monat bzw. CHF 828 pro Jahr. Das Begehren lohnt sich klar.

Rechenbeispiel B: Miete seit vielen Jahren unverändert

Nettomiete CHF 1’800, festgesetzt auf Basis 1,50 %; aktueller Satz 1,25 % (ein Schritt). Angenommen: LIK +8,0 % seit der Festsetzung, Kostensteigerung von 3,0 % (entspricht sechs Jahren zu 0,5 %, sofern belegt oder örtlich anerkannt).

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PositionProzentBetrag
Senkung Referenzzinssatz (1 Schritt)− 2,91 %− CHF 52.38
Teuerungsausgleich (40 % von 8,0 %)+ 3,20 %+ CHF 57.60
Kostensteigerung+ 3,00 %+ CHF 54.00
Saldo+ 3,29 %+ CHF 59.22
Saldo Beispiel B (angenommene Werte, Beträge pro Monat)

Positiver Saldo: Vorsicht

Hier überwiegen die Gegenpositionen. Selbst ohne Kostensteigerung bliebe ein Plus von 0,29 % (CHF 5.22). Ein Senkungsbegehren hätte kaum Aussicht auf Erfolg. Der Vermieter könnte eine Erhöhung nur separat mit amtlichem Formular auf einen Kündigungstermin geltend machen (Art. 269d OR) – das Recht dazu hat er aber unabhängig von deinem Begehren. Lass dich in einer solchen Lage vor dem Begehren beraten.

Entscheidungstabelle

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SituationEinschätzungNächster Schritt
Letzte Festsetzung vor wenigen Jahren, mehrere Schritte SenkungSaldo meist deutlich zu deinen GunstenBegehren fristgerecht stellen: Mietzinssenkung verlangen
Ein Schritt Senkung, Festsetzung lange her, LIK stark gestiegenSaldo kann null oder positiv seinSaldo mit echten LIK-Werten rechnen, Beratung einholen
Vermieter verrechnet pauschal 1 % pro Jahr ohne BelegeAngreifbar, je nach RegionBelege verlangen; Frist nach Ablehnung beachten
Vermieter nennt keine Zahlen, nur «Teuerung»Nicht nachvollziehbarRechnung schriftlich verlangen; Frist läuft trotzdem
IndexmieteAnderes SystemSiehe unten und Spezialfälle
Wie du dein Ergebnis einordnest
  1. 1

    Letzte Festsetzung finden

    Referenzzinssatz, LIK-Stand und Kostenstand aus Vertrag oder letztem Formular notieren.

  2. 2

    Brutto-Senkung ermitteln

    Schritte bis zum aktuellen Satz zählen und den Staffelwert anwenden – der Mietzinsrechner liefert diesen Wert.

  3. 3

    Teuerung mit echten Zahlen rechnen

    Aktuellen LIK beim BFS auf gleicher Basis nachschlagen; 40 % der Steigerung ansetzen.

  4. 4

    Kostensteigerung hinterfragen

    Welche Pauschale ist in deiner Region üblich? Belegt der Vermieter tatsächliche Kosten? Keine Doppelzählung mit Nebenkosten.

  5. 5

    Saldo beurteilen

    Deutlich negativ: Begehren stellen. Nahe null oder positiv: beraten lassen, bevor du aktiv wirst.

Sonderfall Indexmiete

Bei einer vereinbarten Indexmiete folgt der Mietzins dem LIK, und zwar nicht nur zu 40 %: Die Erhöhung darf die Zunahme des Landesindexes nicht übersteigen; sinkt der Index, ist der Mietzins entsprechend anzupassen (Art. 17 Abs. 1 und 2 VMWG). Der Referenzzinssatz spielt bei Indexmieten keine Rolle. Die Details stehen im Beitrag zu den Spezialfällen.

Wie viel Teuerung darf auf die Miete überwälzt werden?

Höchstens 40 % der Steigerung des Landesindexes der Konsumentenpreise seit dem LIK-Stand der letzten Mietzinsfestsetzung (Art. 16 VMWG). Bei einer Indexmiete gelten andere Regeln.

Gibt es eine feste Pauschale für allgemeine Kostensteigerungen?

Nein, nicht landesweit. Viele Kantone akzeptieren laut Mieterverband etwa 0,5 % pro Jahr, andere weniger; in Basel-Stadt und Basel-Landschaft müssen Mieter Pauschalen nicht akzeptieren. Im Streitfall muss der Vermieter die tatsächlichen Kosten belegen.

Warum ist meine Mietzinssenkung kleiner als der Rechner anzeigt?

Der Rechner zeigt den Brutto-Anspruch aus dem Referenzzinssatz. Der Vermieter darf Teuerung, belegte Kostensteigerungen und weitere zulässige Positionen verrechnen (Art. 13 Abs. 1 VMWG).

Welche Kosten zählen als Kostensteigerung?

Insbesondere höhere Hypothekarzinsen, Gebühren, Objektsteuern, Baurechtszinse, Versicherungsprämien und Unterhaltskosten (Art. 12 VMWG). Kosten aus dem Verkauf der Liegenschaft zählen nicht dazu.

Kann der Saldo dazu führen, dass meine Miete steigt?

Ein Senkungsbegehren selbst führt nicht zu einer Erhöhung. Übersteigen die Gegenpositionen den Senkungsanspruch, kann der Vermieter eine Erhöhung aber separat mit amtlichem Formular geltend machen (Art. 269d OR). Diese kannst du innert 30 Tagen anfechten.

Wo finde ich den LIK-Stand meiner letzten Festsetzung?

Im Mietvertrag unter den Mietzinsgrundlagen oder auf dem letzten amtlichen Formular. Fehlt er, frage schriftlich beim Vermieter nach. Die aktuellen Indexstände publiziert das Bundesamt für Statistik.

Den Brutto-Anspruch als Startwert

Der Mietzinsrechner liefert die Senkung aus dem Referenzzinssatz. Teuerung und Kosten ziehst du anschliessend nach der Formel oben ab.

Zum Mietzinsrechner

Kostenloser Brutto-Rechner; keine individuelle Rechtsprüfung.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Massgebend sind die offiziellen Publikationen des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) sowie das geltende Mietrecht (OR/VMWG).